Wie entstand eigentlich Counter-Strike?

Wie entstand eigentlich Counter-Strike?

Seit 1999 ist Counter-Strike in Sachen Multiplayer Taktik-Shooter die ungeschlagene Nummer Eins!

Man könnte auch sagen, dass Counter-Strike dieses Genre erst erfunden hat. Denn bevor es den Multiplayer-Sektor im Sturm eroberte, gab es nur klassische Spielmodi wie etwa Death-Match, Capture the Flag und wie sie alle heißen.

Dass ein Spieler nach seinem digitalen Tod nicht einfach neu spawned (einsteigt), sondern den anderen Kollegen tatenlos zusehen muss, war völlig neu. Was wurde hier auf einmal für eine Spannung aufgebaut, als von jedem Team nur noch einer übrig war. Und ein einziger Schuss konnte alles entscheiden!

Im Übrigen war es bis dahin auch nicht üblich, dass ein Gegner mit nur einem gezielten Schuss ausgeschaltet werden konnte. Das Fehlen von klassichen Medipacks und der relativ neue Headshot brachte ein Maximum an Spannung und schwitzigen Händen.

 

Rückblick

Es ist kaum zu glauben…
Aber der erfolgreichste Multiplayer-Taktik-Shooter verdankt seine Entstehung wohl dem heutigen Software-Giganten Microsoft und einem Spiel, dass wir alle kennen: Quake (1996)

Doch wie kommt es zu dieser seltsamen These?

Es begann alles im Jahr 1996

Ein Software-Entwickler namens Gabe Newell verlässt mit einem seiner Kollegen frustriert das Unternehmen Microsoft. Tatsachen, wie der stärkere Marktanteil des aktuellen Spiels Doom gegenüber seinem mitentwickelten Windows 3.1, sind an dieser Entscheidung nicht ganz unbeteiligt.

Ganz nach dem Vorbild des Doom-Entwicklers id Software wollen Newell und sein Kollege ein Unternehmen gründen, das neue Spielinhalte entwickelt. Ganz wichtig dabei sind die flachen bis nicht vorhandenen Hierarchien der Firmenstruktur. Genau diese sind nämlich nach Ansicht Newells eine Bremse in der Entwicklung kreativer Inhalte.

„Es gibt keinen Chef und keine Vorgesetzten“ 

Nach diesem Leitspruch soll also ein Entwicklerstudio entstehen, das künftig aus knapp 30 Mitarbeitern besteht. Es trägt den Namen Valve.

Eine Engine muss her!

Das neue Entwicklerstudio Valve hat jedoch ein Problem. Um ein gutes Spiel wie z.B. Doom zu entwickeln, bedarf es einem Programmcode oder auch Engine genannt. Diese selbst zu entwickeln, würde die Ressourcen, bis zur Fertigstellung eines marktreifen Spiels, auffressen.

Also klopft man beim großen Vorbild id Software an und versucht eine Lizenz für eine Engine zu bekommen. Das etablierte Studio hat gerade erst eine neue 3D-Engine entwickelt und bastelt derzeit an einem ebenfalls bekannten Titel: Quake (1996)

Da einer der Hauptentwickler dieser neuartigen Engine ein alter Bekannter aus dem Hause Microsoft ist, erhält Valve die Lizenz mit viel Vitamin B. Der Entwicklung eines eigenen Spiels steht also nichts mehr im Wege…

Half-Life entsteht

Endlich kann Valve auf der Basis der Quake-Engine mit der Entwicklung eines Spiels beginnen. Newells Vision von neuen kreativen Spielinhalten geht auf. So enstehen Dinge wie eine richtige Story in einem 3D-Shooter und auch ausgereifte Rätsel-Elemente.

Nach einer kurzen Präsentation auf den großen Spielemessen beginnt ein wahrer Hype um das angekündigte Half-Life. Mit den innovativen Inhalten trifft Valve voll ins Schwarze.

Leider muss das Newcomer Entwicklerstudio mit seinem Publisher Sierra die Veröffentlichung um fast ein Jahr Verschieben. Komplikationen im Gameplay müssen unvorhergesehen überarbeitet werden.

Um den Druck etwas zu mindern, wird Half-Life: Day One veröffentlicht. Diese Vor-Erscheinungs Demo enthält bereits einige Level des Originalspiels und wird hauptsächlich mit neuer Hardware im Bündel verkauft. Später stellt sich diese Entscheidung als wahrer Werbekracher heraus.

Im Oktober 1998 ist es dann endlich soweit!

Half-Life geht weltweit fast 10 Millionen Mal über die Ladentheke, was bisher kein anderes Spiel mehr geschafft hat. Gordon Freeman und der G-Man brechen sämtliche Rekorde.

Im Übrigen waren die Systemanforderungen Windows 95, ein Pentium mit 133 MHz, 24 MB RAM und eine Grafikkarte mit 8 MB Arbeitsspeicher. Ach ja und unverschämte 400 MB Fesplattenspeicher!

 

Die Geburt von Counter-Strike

Valve scheint in Sachen Vertrieb alles richtig zu machen. Neben genialen Werkzeugen wie die bereits beschriebene Vor-Erscheinungs Demo oder schnell folgenden Erweiterungen (Oppsing Force, Blue Shift, etc.), folgt ein weiterer Geniestreich.

Der riesigen Fangemeinde wird der sogenannte Hammer Editor an die Hand gegeben. Ein leicht zu bedienender Editor, mit dem sogenannte Mods (Modifikationen) und neue Spielinhalte gebastelt werden können.

So bleibt der Hype um Half-Life weiter aufrecht erhalten (auch die Verkaufszahlen) und immer mehr Modder versuchen sich an neuen Spielinhalten. Stets in der Hoffnung, Valve übernimmt die Mod und betreibt sie kommerziell weiter bzw. stellt die Modder sogar ein.

Im Juni 1999

Eine kleine Gruppe Hobbyentwickler beginnt ein kleines Freizeitprojekt. Geleitet von Minh Le und Jess Cliffe arbeiten die Modder an einem Geiselrettungs-Szenario. Eine Antiterroreinheit hat die Aufgabe, Geiseln aus den Händen der Terroristen zu befreien.

Die Besonderheit daran ist das etwas seltsame Team-Spiel-Prinzip.

Auf Runden basierend gibt es zwei Spielziele. Entweder die Geiseln retten bzw. als Gegnerteam vor Ablauf der Zeit diese zu verteidigen oder einfach alle Spieler aus dem Gegnerteam töten.

Für die primäre Aufgabe gibt es jedoch mehr Geld für die nächste Runde. Hiervon können dann bessere Waffen und Ausrüstung gekauft werden. Gerade das Kaufmenü zu Beginn jeder Runde sollte die Besonderheit dieser Mod ausmachen.

Eine weitere Besonderheit: Stirbt ein Spieler während der laufenden Runde, kann er nicht wieder einsteigen. Er muss zuschauen, bis die Runde mit den verbleibenden Spielern zu Ende gespielt ist.

Am 19. Juni 1999 geht die kostenlose Mod unter dem Namen Counter-Strike online. 

Schnell erreicht die Mod in der Community eine große Beliebtheit. Besonders auf groß organisierten LAN-Parties und dem noch jungen Online-Multiplayer wird kaum etwas anderes gespielt.

Das Team um Minh Le und Jess Cliffe erkennt den Trend und schiebt zügig das Bombenentschärfungs-Szenario sowie weitere Waffen und Karten nach.

Am 8. November 2000 klettert Counter-Strike aus der Beta-Phase und ist nun unter Version 1.0 als offizielle Mod erhältlich.

Valve wird auf diesen Boom natürlich aufmerksam und stellt das komplette Counter-Strike-Team zur Weiterentwicklung ein. Über den Publisher Sierra wird die Mod nun als eigenständiges Spiel vertrieben.

Mit der Version 1.4 kann Counter-Strike nun auch über Valves neue Online-Plattform Steam gespielt werden. Spielmechaniken wie die spielinterne Kommunikation per Headset oder ein Anti-Cheat-System folgen.

Die finale Version 1.6 wird zum Synonym für ein neues Genre: Den Taktik-Shooter.

Counter-Strike

Counter-Strike 1.6

Während Valve bereits an einer neuen und eigenen Engine – Der Source-Engine – arbeitet, entwickelt sich CS 1.6 zum populärsten und meistgespielten Taktik-Shooter.

Counter-Strike pusht den E-Sport zu einem salonfähigen Trend. Gleichzeitig wird es leider auch von den Massenmedien regelmäßig als Beispiel für sogenannte „Killerspiele“ herangezogen.

Letztendlich hält sich Counter-Strike 1.6 über einen ungewöhnlich langen Zeitraum an der Spitze der Multiplayer Taktik-Shooter.

 

Wie ging es weiter?

Im März 2004 erschien Counter-Strike: Condition Zero. Diese grafisch aufgehübschte Version war jedoch eine für den Einzelspieler ausgelegte Variante.

In einer Art Kampagne konnte man verschiedene Aufgaben meistern und Errungenschaften verdienen. Wirklich bekannt wie das Original wurde dieser Ableger jedoch nie.

Ganz anders sah es da im November 2004 aus. 

Zeitgleich mit dem lang erwarteten Half-Life 2 erschien die Fortsetzung Counter-Strike: Source. Die bereits erwähnte Source-Engine nutzte eine revolutionierende Physik-Technik und machte das Spielerlebnis detailreicher und realitätsnaher.

Durch den ausschließlichen Vertrieb über die hauseigene Online-Plattform Steam, gelang Valve wieder mal ein außerordentlicher Clou. Denn ganz ohne Counter-Strike: Source und Half-Life 2 wäre Steam heute sicher nicht das, was es ist.

Eingefleischte E-Sportler und Freizeitzocker waren anfangs jedoch skeptisch gegenüber dem neuen Counter-Strike. Das Feeling war natürlich ein wenig anders und so musste man viele Abläufe neu trainieren. Aus diesem Grund hielt sich das berühmte CS 1.6 noch lange Zeit neben Counter-Strike: Source auf den Servern und LAN-Parties.

Schließlich beugte sich die Community irgendwann den vielen neuen Möglichkeiten. Surf-, Rats-, Gungame- und Aim-Maps, etc. bereicherten die klassischen Spielmodi und so erreichte Counter-Strike: Source erneut größte Beliebtheit. Und das über viele Jahre… 

Counter-Strike

Counter-Strike: Source

Globale Offensive

Die Konkurrenz schläft nicht, heißt es ja so schön.
Spielserien wie Call of Duty und Battlefield mischten ab 2005 auf dem Online-Multiplayer-Markt ordentlich mit. Mit grafischem Wettrüsten, begleitenden Solo-Kampagnen und neuen Belohnungssystemen, trumpften diese Mitstreiter stark auf.

Valve konnte die Spieler mit mit Counter-Strike: Source nicht ewig bei Laune halten.

Und so erschien am 21. August 2012 ein neuer Stern am Valve-Himmel: Counter-Strike: Global Offensive.

Dieser Teil brachte einige grundlegende Veränderungen mit, weshalb sich Counter-Strike: Source nach wie vor hoher Beliebtheit erfreut. Zum einen wurde der LAN-Modus ohne Internetanbindung weitgehend entfernt und neue Spielmodi wie das Wettrüsten integriert.

Ein zeitgemäßes Ranking-System sowie online handelbare Items motivieren viele Spieler dazu, möglichst erfolgreich zu sein und sich einen Namen zu machen. Vor allem, weil CS:GO im E-Sport Bereich mit hohen Preisgeldern lockt.

Über die Möglichkeiten von CS:GO und dessen Entwicklung könnte man wohl eine separate Reportage schreiben. Was sicher ist, mit 10,45 Millionen aktiven Spielern (Dezember 2015) ist CS:GO wieder einer der Big Player und damit im Genre Taktik-Shooter mit Sicherheit immer noch die Nummer Eins.

CSGO

Counter-Strike: Global Offensive

 

Fazit

Wie wir also sehen, ist die Entstehung der Marke Counter-Strike durchaus eine interessante Geschichte. Hätte Gabe Newell Microsoft nicht verlassen, wäre Valve womöglich nie gegründet worden. Auch der Zufall, dass ausgerechnet ein ehemaliger Microsoft-Kollege den Lizenzerwerb der Quake-Engine möglich machte, verhalf Counter-Strike irgendwie zu dem, was es heute ist.

Im Übrigen ist Gabe Newell immer noch CEO von Valve. Der damalige Mitbegründer Mike Harrington hat das Unternehmen bereits verlassen. Newell gehört heute mit einem Gesamtvermögen von ca. 2 Milliarden USD zu den reichsten Menschen der Welt.

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3 Kommentare

  1. Ich würde CS nicht als Genre-Erfinder bezeichnen, denn immerhin gab es ja zuvor schon Team Fortress, Firearms, Tribes usw., die ja allesamt auch verstärkt auf Taktik und Teamplay setzten. Allerdings war bzw. ist CS natürlich bis heute der populärste Vertreter der taktischeren Online-Shooter. Gooseman habe ich sogar mal persönlich treffen dürfen und der ist ein echt netter Typ und kein Stück eingebildet, obwohl er Miterfinder einer der beliebtesten Spiele-Serien überhaupt ist. Könnte aber auch daran liegen, dass eigentlich nur Valve wirklich das große Geld damit verdient hat.

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  2. Also Gooseman zu treffen (Minh Le) find ich schon ne coole Sache! Wo hast du ihn getroffen?

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  3. Das war im Rahmen einer PR-Aktion, um sein (damals) neues Spiel zu promoten (Tactical Intervention).

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