Faszination Indie Spiele

Indie Spiele

Minecraft hat es bewiesen: Es braucht keine perfekt ausgearbeiteten Grafiken, keine riesigen Entwicklerstudios und keine Unmengen an Kohle, um ein gutes Spiel auf die Beine zu stellen. Ganz im Gegenteil: Manchmal ist weniger sogar mehr. Denn zu viel Hype, kann, wie zum Beispiel bei Titanfall 2014, auch ganz schnell in das Gegenteil umschlagen.

Bevor es zu Verwirrungen kommt, lasst euch mich kurz vorstellen.

Mein Name ist Sarah von Nonsense Entertainment, wo ich in erster Linie über Spiele, Filme, Serien, Bücher und Comics schreibe.

Der liebe Dennis von gamer83.de hat mir angeboten, einen Gastartikel für ihn zu verfassen. Und hier bin ich: Voller Energie und Elan, um mit euch über die Faszination und den Erfolg von Indie Spielen zu quatschen.

Indie Spiele

Marvelous Interactive dürfte sich ganz schön ins Fäustchen gebissen haben, als in den vergangenen Wochen die Indie-Lebenssimulation Stardew Valley an die Spitze der Steam Charts schoss und dabei sogar The Division oder Far Cry Primal auf der Strecke ließ. Doch was macht das Country-Life RPG des Ein-Mann-Teams von ConcernedApe so erfolgreich, wo es doch im Prinzip nur eine neue Version von Harvest Moon und Rune Factory darstellt? Das Geheimnis steckt vermutlich in Maus und Tastatur.

Eines der größten Mankos der Harvest Moon-Reihe war es schließlich seit jeher, dass die Spiele nur für Konsolen erschienen sind. Über die Jahre ist ein Großteil der Spielerschaft auf den PC als Plattform umgestiegen. Die Macher der Harvest Moon Reihe hingegen haben irgendwann begonnen, nur noch an der Community vorbei zu entwickeln. Wünsche wurden ignoriert, Verbesserungsvorschläge abgelehnt und Beschwerden abgewimmelt. Das Ergebnis: Immer unzufriedenere Kunden. Ich selbst habe mich auch jahrelang als großer Harvest Moon Fan gezählt – mittlerweile ist das nicht mehr so. Doch wieso?

Indie Spiele

Der große Vorteil eines Indie Entwicklers ist es einfach, dass ihm niemand rein redet. Gerade bei jungen Spieleentwicklern ist es so, dass im Vordergrund ihrer Produktion kein Management und keine Statistiken, sondern eine ganz simple Idee steht. Dabei können sie sich frei austoben, ohne Konsequenzen mit der Community kommunizieren und ihren Ideen freien Lauf lassen.

Das Ergebnis sind dann immer Mal wieder Videospielgiganten wie Minecraft, Stardew Valley oder auch Hotline Miami – und das alles ganz ohne Verlustängste. Viele dieser Spiele sind erfolgreicher als die meisten Triple A Titel und dienen gleichzeitig als Inspirationsquelle für die ganz großen.

Seit Minecraft sind aus kaum noch einem Game Sandboxing-Elemente wegzudenken. Hotline Miami hat den großen Publishern gezeigt, wie gut eine Story auch ganz ohne großen Inszenierungen sein kann und mit Stardew Valley haben wir jetzt wieder dazu gelernt, dass es manchmal nicht mal eine krasse Story braucht, um den Fans gerecht zu werden.

Marvelous Interactive ist nicht das einzige Entwicklerstudio, das die Fans immer mal wieder enttäuschte. Andere große Unternehmen, wie zum Beispiel Ubisoft, können das auch ganz gut. Die Quittung: Die Community wendet sich ab. Gerade in Zeiten des Internets und der Blogs, sollte man die Meinung seiner Käufer nicht unterschätzen.

Indie Spiele

Ich persönlich spiele sehr gerne Indie Spiele. Einfach, weil sie es schaffen, immer wieder frischen Wind in die Szene zu bringen. Die besten Ideen stammen schließlich von den Leuten, die es aus Leidenschaft machen. Das Phänomen gibt es schließlich nicht nur in der Spiele- sondern auch in der Filmindustrie: Die besten Disneyfilme sind zum Beispiel nach wie vor die, in denen Walter Disney sich persönlich austoben konnte. Die neueren Produktionen, hinter denen oft ein riesiges Management steht, können da meistens nicht mithalten.

Hin und wieder wird Fleiß also auch mal belohnt. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Es gibt reichlich große Produktionen, vor denen Indie-Entwickler nur den Hut ziehen können. – Doch dahinter steckt eben auch immer ein riesiges Team.

Ich gönne Stardew Valley den Erfolg von ganzem Herzen, spiele immer noch regelmäßig Minecraft und der Hotline Miami Soundtrack gehört zu den meistgespielten Tracks auf meinem Handy. Schlussendlich sind es eben doch wieder die ganz kleinen, die etwas ganz großes schaffen. Sei es auch nur ein Pixelbauernhof.

Falls ihr noch mehr Nonsens von mir hören wollt, schaut gerne mal auf meinem Blog vorbei: http://nonsense-entertainment.blogspot.de/

Vielen Dank an Sarah für diesen Gastartikel!
gamer83.de

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8 Kommentare

  1. Minecraft ist für mich das Paradebeispiel eines erfolgreichen Indie-Spieles.
    Kleines Budget, tolle Ideen und große Wirkung.

    Ich glaube ich habe mittlerweile schon über 1.000 Stunden in Minecraft verbracht.
    Das ist bei mir aber die Ausnahme, wiel viele Indie-Spiele, die ich sonst spiele bereits nach 10-12 Stunden vorbei sind. Die liefern zwar oft ein einmaliges Erlebnis, aber mir fällt es bei einer so kurzen Spieldauer auch schwer, dann 40 Euro auf den Tisch zu legen – was ja mittlerweile auch manche Indie-Entwickler verlangen.

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    • Ich muss zugeben, dass der Indie-Sektor lange Zeit ein rotes Tuch für mich war und noch ist. Minecraft kenne ich z.B. gar nicht. Reizt mich auch nicht wirklich. Jedoch habe ich aufgrund dieses Beitrags von Sarah mal dieses Stardew Valley angespielt und bin leider schon süchtig 🙂

      Antwort
      • Das kann ich gut verstehen, Phinphin. 🙂 Aber wenn man bedenkt wie wenig Leute und wie viel Aufwand hinter so einem Titel steckt, kann ich solche Preise schon verstehen. Allerdings gibt es Titel, bei denen auch ich doppelt überlege, ob ich sie mir nun kaufen sollte oder nicht.

        Das freut mich sehr, Dennis. 🙂 Ich freue mich schon auf den Stardew Valley „Multiplayer“. Dann schaue ich gerne mal auf deiner Farm vorbei.

        Antwort
  2. Naja, man darf Indie nicht nur als große, eigene Szene sehen. Bzw. in diesem Zusammenhang diese Betrachtungsweise nutzen. Das klingt hochtrabend, aber lasst mich ausführen:

    Wie im Beitrag richtig angemerkt ist es so: Indie steht für Unabhängigkeit, Unabhängigkeit bringt freie Kreativität mit sich und am Ende in der Theorie Innovation. Der Grund, warum Innovation von den großen Entwicklern so selten umgesetzt wird, liegt am Geld, am Markt. Mirros Edge war etwas völlig neues damals, verkaufte sich aber mies, obwohl das Game überall super Bewertungen erhielt. Hinter jedem Unternehmen stehen Jobs und Gewinnspannen und die will man nicht gefährden, also macht man, was bisher gut funktioniert hat. Etwas Neues kann immer Schlechter als das Alte sein, und das ist ein Risiko, das vermieden werden soll.

    Daran können Indie Entwickler vorbei arbeiten, müssen sie aber nicht. Darum stört mich dieses sehr allgemeine „Indie“. Denn die unabhängige Szene bringt auch den größten Müll hervor, der Unterschied: Was nicht gut ist, nimmt halt kaum einer wahr. Nur gute Umsetzungen finden größere Verbreitung – So wie Paradebeispiel Minecraft. Aber Müll findet man überall.

    Zu dem Thema Größe des Teams und so: Hinter Call of Duty stehen zum Beispiel wirklich sehr große Teams, die dann irgendwie immer den gleichen Ramsch produzieren – was aber auch erst nötig wird, wenn man jedes Jahr veröffentlichen will, was wiederum der Markt vorgibt, oder warum verkauft sich jedes Call of Duty immer wieder Millionenfach? Das ganze ist in einem gewissen Selbstlauf gefangen. Doch auch andere Indie Produktionen haben größere Teams, sie haben aber andere Ziele, steuern die Realisierung eines Titels an und nicht den Vertreib von Games durchgeplant über die nächsten 6 Jahre.

    Indie ist selbst zu einem gewissen Markt geworden: Denn Unabhängig ist man nicht wirklich, wenn man in Steam schon im Vorfeld eine gigantische Vertriebsplattform ansteuert und so einen Millionenmarkt anfährt. Das ist nicht schlimm, ich mag aber diese einseitige, zu positive Betrachtungsweise nicht, wobei diese nicht falsch ist. Indie kann toll sein, aber es ist nicht die Regel. Genau wie bei regulären, auf Publisher angewiesene Entwickler, die auch nicht nu

    Antwort
    • Das fehlte noch was:

      Genau wie bei regulären, auf Publisher angewiesene Entwickler, die auch nicht nur Scheiß produzieren – Wir nehmen die Szenen nur völlig unterschiedlich wahr. 😀

      Antwort
  3. Du hast absolut recht. 🙂
    Große Unternehmen haben immer einen gewissen Druck. Schließlich gilt es Mitarbeiter und Werbekampagnen zu bezahlen und trotzdem noch einen Gewinn einzufahren. Da bleibt die Risikobereitschaft natürlich geringer, schließlich gibt es auch jede Menge zu verlieren, wenn das Spiel nicht wie gewünscht einschlägt. Klar, dass da vor allem auf alt bewährtes gesetzt wird. Viele Fans wollen ja teilweise auch gar nichts anderes.
    Unabhängige Entwickler, wie zum Beispiel ConcernedApe mit Stardew Valley hingegen, haben diese ganzen Sorgen nicht. Die Beweggründe sind also vollkommen andere, was auch für einen völlig neuen Blickwinkel sorgt. Hier wird das Spiel nicht aus Sicht des Marktwertes, sondern aus Sicht des Gamers entworfen. Das sorgte schon für viele großartige, einzigartige Spiele. Eben WEIL sie so anders waren.
    Es stimmt absolut, dass Indie selbst zu einem Markt geworden ist. Aber genau das finde ich so großartig. 😀

    Antwort
  4. Wie schön, hier ein Gastbeitrag von dir zu lesen, Sarah! 🙂
    Und dann geht es noch um so ein schönes Thema! Ich liebe Indie-Spiele!
    Die Punkte, die du angesprochen hast, kann ich so vollkommen bestätigen. Ich bin auch der Meinung, dass viele Spieleentwickler in den großen Studios die Meinung der Spieler unterschätzen.
    Bei Minecraft bin ich seit der ersten Stunde mit dabei und habe mit Freude die Entwicklung des Spiels verfolgt. Jetzt mit der Übernahme bzw. Kauf von Microsoft sehe ich kaum noch Innovation und spiele es auch nicht mehr so oft. Vielleicht ist das auch nur eine Phase, aber ich finde es schade.
    Der Indie-Markt wächst und wächst! Solche Perlen wie Firewatch, Stardew Valley und Co. möchte ich nicht mehr missen!

    Antwort

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